Leistbare Mobilität

(Von Rainer Schultheis) Prothesen werden immer teurer. Hochtechnisierte Prothesenkniegelenke nach Oberschenkelamputation sind inzwischen auf einem Preisniveau von einem hochklassigem PKW und die Nutzungsdauer liegt im Normalfall bei 6 Jahren. Immer weniger Krankenkassen sind bereit diese Kosten zu tragen, besonders wenn der Mehrwert solcher Prothesen nicht ersichtlich ist (so stehen 50% Mehrkosten eines Prothesentyps lediglich der Mehrwert der Wasserfestigkeit gegenüber). 

Gleichzeitig kämpfen Sanitätshäuser ums Überleben. Immer schwieriger wird es, von den Erstattungsleistungen der Krankenkassen alleine zu überleben; immer lückenhafter wird selbst in entwickelten Ländern im deutschsprachigen Raum die Zahl an Sanitätshäusern, die orthopädietechnische Leistungen anbieten. Entsprechend werden die Entfernungen für Prothesenträger*innen im Länger, der Aufwand immer größer. Dabei wäre über digitale Monitoringprozesse einiger Aufwand des Users zu verringern. 

Einer Überverfügbarkeit in manchen Regionen (Zweitprothese) steht eine kompletten Nichtversorgung wegen fehlender Erstattung in ärmeren Ländern gegenüber. Das Fehlen einfacher Techniken zum Bau von Prothesenschäften ist der initiale Prozess, um dem Kulturkreis entsprechend nachhaltige Lösungen zu ermöglichen und möglichst viele Betroffene „aus dem Rollstuhl heraus zu bekommen“.  

In wirtschaftlich erfolgreichen Entwicklungsländern wie Tunesien sind Strukturen für eine vernünftige prothetische Versorgung noch nicht geschaffen. Hier müssen auf die regionalen Gegebenheiten (Leistbarkeit, Durchführbarkeit, Schulung und letztendlich Empowerment von prothetischen Versorgern) Rücksicht genommen. Digitalisierungsprozesse wie etwa das Monitoring der User sind dort, aber auch für entwickelte Länder wie Österreich wesentlich, um die health literacy von Betroffenen zu erhöhen und die Zufriedenheit für User, Orthopädietechniker, Prothesenhersteller und Reimburser zu steigern. 


 

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